Gänsehaut garantiert: Diese Reiseziele sind nichts für Angsthasen

Achtung, Grusel-Alarm: Diese Reiseziele in Deutschland sind zum Fürchten. Hinter alten Mauern und knorrigen Bäumen warten schaurige Geschichten.

Schloss Frankenstein bei Darmstadt wirkt im Herbst besonders düster.
Schloss Frankenstein bei Darmstadt wirkt im Herbst besonders düster. Foto: EWY Media/Shutterstock.com

Die Tage werden kürzer und morgens hängt Nebel über den Straßen: Im Herbst verändert sich die Stimmung vieler Orte. Was im Sommer harmlos erscheint, zeigt nun seine düstere Seite. Bei trübem Wetter wirken alte Gemäuer plötzlich beklemmend, verlassene Gebäude bekommen etwas Unheimliches. Wer sich schon jetzt auf Halloween einstimmen möchte, findet in Deutschland Reiseziele mit Gruselfaktor.

Beelitz-Heilstätten: Lost Place mit düsterer Geschichte

Südwestlich von Berlin und mitten im Wald liegt das vielleicht unheimlichste Krankenhaus Deutschlands. Die Geschichte der Beelitz-Heilstätten reicht mehr als 100 Jahre zurück. Ab 1898 entstand hier eine große Lungenheilstätte, in der vor allem Menschen mit Tuberkulose behandelt wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Rote Armee das Gelände. Bis 1994 war es das größte Militärhospital der sowjetischen beziehungsweise russischen Armee im Ausland.

Heute können BesucherInnen im Rahmen von Führungen durch einige der ehemaligen Klinikgebäude gehen. Dazu gehören unter anderem das Alpenhaus und die alte Chirurgie. Zwischen überwucherten Ruinen und endlosen Fluren ist schnell nachvollziehbar, warum der Ort als Lost Place so bekannt geworden ist, auch wenn inzwischen viele Gebäude saniert sind. Wer den Gruselfaktor noch steigern möchte, kann zu bestimmten Terminen an abendlichen Taschenlampen-Führungen teilnehmen. Die Führungen kosten zusätzlich zum Eintritt für das Parkgelände mit Baumkronenpfad. In den Gebäuden gilt Helmpflicht.

Beinhaus in Oppenheim: Die Gebeine Tausender Menschen

Noch näher an klassische Gruselvorstellungen kommt man in Oppenheim in Rheinland-Pfalz. Im Untergeschoss der Michaelskapelle befindet sich ein historisches Beinhaus. Hinter einem Gitter sind dort die Schädel und Knochen von schätzungsweise 15.000 bis 20.000 Menschen zu sehen. Der Ursprung des Beinhauses ist allerdings weniger mysteriös, als es zunächst klingt. Zwischen 1400 und 1750 war der Platz auf dem Friedhof knapp. Wurden neue Gräber benötigt, brachte man die Gebeine der früher Bestatteten in das Kellergewölbe der Kapelle und schichtete sie dort auf. Heute ist der Ort ein Zeugnis vergangener Bestattungskultur. Das Gewölbe selbst ist nur bei speziellen Führungen zugänglich.

Gespensterwald bei Nienhagen: Nebel zwischen knorrigen Bäumen

Dieser Wald nahe dem mecklenburgischen Nienhagen trägt seinen Namen nicht zufällig. Viele der bis zu 170 Jahre alten Bäume wurden über Jahrzehnte von salzhaltigem Ostseewind und Stürmen geformt. Ihre Stämme wachsen schief, Äste ragen in ungewöhnliche Richtungen. Weil die Kronen scheinbar vor dem Wind fliehen, werden die Bäume auch "Windflüchter" genannt. Bei Nebel wirkt der Wald noch eigenartiger. Eine alte Gespenstersage steckt allerdings nicht hinter dem Namen: Als "Gespensterwald" wird das Waldstück erst seit etwa 1900 bezeichnet, wegen seines bizarren Aussehens. Erreichbar ist der Küstenwald zum Beispiel über den Europäischen Wanderweg E9.

Burg Frankenstein: Legenden um einen Alchemisten

Südlich von Darmstadt thront Burg Frankenstein auf einem Berg über Nieder-Beerbach, einem Ortsteil der Gemeinde Mühltal. Die mittelalterliche Anlage geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Dort wurde 1673 Johann Konrad Dippel geboren, ein Theologe, Alchemist und Arzt. Der Legende nach soll er auf der Burg mit Leichen experimentiert und nach einem Mittel für ewiges Leben gesucht haben. Belegt ist das nicht. Die Geschichten verbreiteten sich vor allem Ende der 1990er-Jahre, und HistorikerInnen bezweifeln, dass Dippel nach 1693 überhaupt noch einmal auf die Burg zurückkehrte. Nachweisbar ist dagegen, dass er ein selbst hergestelltes Tieröl als Universalarznei anpries.

Dippel wird immer wieder als mögliche Inspiration für Mary Shelleys Roman "Frankenstein" genannt. Diese These kam allerdings erst in den 1970er-Jahren auf, und ob Shelley tatsächlich von ihm wusste, ist nicht belegt. Bekannt wurde die Burg zudem durch ihr Halloween-Fest, das US-Soldaten in den 1970er-Jahren ins Leben gerufen hatten und das dort bis 2023 stattfand. Wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten ist das Spektakel inzwischen auf die Burg Königstein im Taunus umgezogen, wo es 2026 vom 16. Oktober bis 1. November läuft. Die Ruine von Burg Frankenstein kann weiterhin besucht werden, allerdings warnt die Burgverwaltung, dass es noch bis 2028 immer wieder zu Schließungen der gesamten Anlage kommen kann.

(spot)