
Wer den Sommerurlaub auf einer Insel plant, steht früher oder später vor einer Grundsatzfrage: das eigene Auto mit auf die Fähre nehmen oder ohne Wagen anreisen und vor Ort ein Fahrzeug mieten? Beide Wege haben ihren Reiz, doch am Ende entscheidet meist der Rechenstift.
Der Preis für den Fahrzeugtransport richtet sich in erster Linie nach der Streckenlänge und der Länge des Autos, da Reedereien ihre Tarife häufig pro Fahrzeugmeter berechnen. Kurze Verbindungen wie Puttgarden-Rødby zwischen Deutschland und Dänemark liegen meist zwischen 40 und 100 Euro pro Wagen. Bei längeren Überfahrten wie von Kiel ins norwegische Oslo – zugegeben keine Insel, aber von Deutschland mit dem Auto nur sehr umständlich über Dänemark und Schweden zu erreichen – oder vom norditalienischen Genua bis ins sizilianische Palermo werden schnell 150 bis 400 Euro fällig, abhängig von Urlaubsregion und Anbieter.
Für die Überfahrt vom spanischen Festland auf die Balearen oder beim Übersetzen zwischen den einzelnen Inseln zahlen zwei Erwachsene mit Fahrzeug ab etwa 50 Euro pro Richtung, in der Hochsaison deutlich mehr (bis zu rund 200 Euro). Auch eine Dachbox kann den Preis in die nächste Kategorie heben. Der Vorteil bleibt jedoch bestehen: Auf der Insel entstehen keine weiteren Mietkosten und das Gepäck reist unbegrenzt mit.
Sylt nimmt unter den Inseln eine Sonderstellung ein. Da der Hindenburgdamm ausschließlich für Züge zugelassen ist, gelangt man mit dem Auto nur über den Autozug ab Niebüll oder die Fähre von Rømø auf die Insel. Die Online-Sparpreise beginnen bei 19,90 Euro pro Strecke. Spontan am Terminal kostet die einfache Fahrt für einen Pkw etwa 75 Euro, die Hin- und Rückfahrt 125 bis 130 Euro – inklusive Insassen, Gepäck und Haustiere.
Warum ein Mietwagen selten mit auf die Fähre darf
Die Idee, mit einem günstigen Mietwagen auf die Fähre zu fahren, klingt verlockend. In der Praxis scheitert dies jedoch häufig an den Bedingungen der Vermieter. Viele Vermieter untersagen Fährüberfahrten grundsätzlich, da beim engen Auf- und Abfahren Kratzer drohen und hierfür kein Versicherungsschutz gewährt wird. Wo es erlaubt ist, etwa zwischen einigen Balearen- und Kanareninseln, muss die Überfahrt vorab angemeldet und oft eine Zusatzversicherung dafür abgeschlossen werden. Einwegmieten vom Festland zu den Inseln sind wegen der Rückführungskosten zudem meist sehr teuer.
Die Rechnung im Detail
Unterm Strich läuft die Entscheidung auf zwei Kostenblöcke hinaus. Bei einem eigenen Auto fallen der Fährpreis für Hin- und Rückfahrt sowie die Spritkosten bis zum Hafen an. Danach steht das Fahrzeug im Urlaub "kostenlos" zur Verfügung. Bei der Anreise per Flug oder als Fußpassagier kommen dagegen die Kosten für den Mietwagen pro Tag, mögliche Flughafengebühren und lokale Zusatzversicherungen zusammen. Ein Beispiel: Kostet ein Mietwagen 45 Euro pro Tag, summiert er sich über zwei Wochen auf mehr als 600 Euro – ein Betrag, für den man vielerorts längst hin und zurück übergesetzt hätte.
Daraus ergibt sich eine klare Faustregel: Je länger der Aufenthalt, desto eher lohnt sich das eigene Auto. Bei einem Kurztrip auf eine weit entfernte Mittelmeerinsel verschlingen die jeweils sieben- bis achtstündigen Überfahrten schnell zwei Reisetage. In diesem Fall ist die Kombination aus günstigem Flug und Mietwagen vor Ort oft die entspanntere und preiswertere Wahl. Wer dagegen zwei bis drei Wochen bleibt, gleicht den höheren Fährpreis durch die eingesparten Mietwagenkosten rasch wieder aus.
Mehr als nur der Preis
Neben den reinen Kosten zählen weiche Faktoren. Das eigene Auto bedeutet vertraute Technik, Kindersitze und Urlaubsausrüstung ohne Umpacken – dafür längere Anreise und die Verantwortung für Schäden während der Überfahrt. Eine Nachtfähre kann sogar Hotelkosten sparen. Ein Mietwagen wiederum spart die Fahrt zum Hafen, kostet aber jeden Urlaubstag Geld. Wer elektrisch unterwegs ist, sollte die Reederei-Regeln prüfen: Manche verlangen eine nicht voll geladene Batterie, Lademöglichkeiten gibt es an Bord meist nicht.
Ein Tipp gilt in beiden Fällen: früh buchen! Fahrzeugstellplätze auf Fähren sind in der Hauptsaison ebenso rasch vergriffen wie beliebte Mietwagen und Frühbucher fahren fast immer günstiger.
(elm/spot)




